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Filmreviews

25: Filmreviews (7): „Enola Holmes“ (2020)

Ich habe am 27.09.2020 den Familienfilm „Enola Holmes“ auf der Streamingplattform Netflix gesehen.

Inhalt

Sherlock und Mycroft Holmes (Henry Cavill & Sam Claflin) haben eine jüngere Schwester namens Enola (Millie Bobby Brown). Die 16-Jährige wächst bei ihrer Mutter Eudoria (Helena Bonham Carter) auf und lernt von ihr, entgegen der klassischen Ausbildung für eine Frau im Großbritannien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Selbstverteidigung und Kombinationsgabe. Als Eudoria verschwindet und Mycroft Enolas Vormundschaft übernehmen will, flieht das junge Mädchen, um ihre Mutter zu finden. Dabei trifft sie auf den jungen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge), dem nach dem Leben getrachtet wird…

Kritik

Verfilmungen der Romanfigur Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle gibt es bereits zur Genüge, gilt er doch heutzutage als Stereotyp eines Privatdetektivs mit herausragender Kombinationsgabe. Daher ist die Diskussion, inwiefern Henry Cavill einen überzeugenden Sherlock abgibt, eine momentan prominent geführte. Sie verfehlt aber meiner Meinung nach den Kern des Films über Enola: eine abenteuerreiche, charmante Erzählung zu sein, die ein junges, aufgewecktes Mädchen im späten 19. Jahrhundert zwischen Detektivgeschichte, Politikverschwörung und Verwandtschaftsbeziehungen für ein Familienpublikum sichtbar macht. Und das funktioniert in der ersten Hälfte des Films sehr überzeugend. Das Aufeinandertreffen der grundverschiedenen Figuren Enola, Sherlock und Mycroft ist charmant dargestellt: konservativ (Mycroft) gegen rebellisch (Enola), mit einem Sherlock, der sich anfangs nicht wirklich für Enola zu interessieren scheint (er überlässt Mycroft ohne Gegenwehr die Vormundschaft), dann aber doch Nachforschungen zu Enolas Flucht anstellt, um letztendlich trotzdem in den Hintergrund zu treten. Aber wie schon gesagt: es ist ein Film über Enola. Und so trägt Millie Bobby Brown mit ihrer verspielten, intelligenten Art die Leichtigkeit der Erzählung. Auch Louis Partridge verkörpert einen stimmigen jungen Lord, den Enola auf ihrer gemeinsamen Flucht ein ums andere Mal „in die Tasche steckt“ (und der sich leider viel zu früh von seinen wunderschönen langen Haaren trennen muss; das muss ich wiederum als selbst langhaariger Charakter selbstverständlich hier bedauern ^^).  In der zweiten Hälfte des Films verliert sich das anfängliche Tempo leider etwas und die Verwebung der beiden „Fälle“ (Politikdrama um den Lord und Enolas verschwundene Mutter) gelingt nicht komplett überzeugend. Helena Bonham Carter wird meinem Empfinden nach zu wenig Screentime gegeben, um ihre Beziehung zu Enola sowie ihre Handlungen tiefgehend darzulegen; gleichzeitig wirkt es so, als ob hier Potenzial für eine Fortsetzung „gelassen wurde“. Die Auflösung des Politikdramas gelingt hingegen durchaus logisch, wenngleich der klassische Gegenspieler eines Holmes (der unter Umständen von Anfang an bekannt ist) nicht als starke Figur ausgestaltet wird. Im Mittelpunkt des Films steht stattdessen Enolas „Roadtrip“ durch das imposante England, welcher auch immer wieder relativ spontan weiterentwickelt wird. Das funktioniert mit brillanten Bildern und leichter Unterhaltung durchaus gut, hätte aber im zweiten Teil stringenter und dynamischer erzählt werden können. Dennoch hat mir der Film insgesamt Spaß gemacht und ich würde mich über eine handlungsmäßige stärkere Fortsetzung freuen.

Zu guter Letzt muss das „Durchbrechen der vierten Wand“ erwähnt werden: ein Stilmittel, bei dem eine Filmfigur, direkt in die Kamera sieht und den Zuschauer anspricht (Bsp. „Was würdet ihr jetzt tun?“). Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bühnentheater, bei dem etwa drei Wände eines Zimmers aufgebaut sind, während die vierte Wand dort fehlt, wo das Publikum sitzt; die Schauspieler tuen aber so, als seien sie in einem in sich abgeschlossenen Raum. Spricht ein Darsteller nun zum Publikum, durchbricht er symbolisch diese vierte Wand. Dieses Mittel im Medium Film einzusetzen, wird sehr kontrovers rezipiert, im Falle von „Enola Holmes“ machte es die Szenerie für mich aber lebendiger und glaubwürdig an ein jüngeres Publikum gerichtet.

Lieblingsszene

Alle Interaktionen zwischen Enola und Lord Viscount Tewksbury.

9/10

Wie fandet ihr „Enola Holmes“ und was ist eure Meinung zum Stilmittel der vierten Wand bzw. in welchen anderen Filmen oder Serien funktioniert dies für euch besonders gut oder schlecht?

Von Songs And Movies

24 y/o
* Eurovision Song Contest
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* Serien

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