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Showreviews (1): „The Masked Singer“ Staffel 1

Eine Unterhaltungsshow mit Promis im Privatfernsehen? Klingt langweilig, sagen Sie? Nun ja: Pro7 gelang in diesem Sommer der große Coup mit einer Adaption der südkoreanischen Show „King Of Mask Singer“…

Das Konzept

10 Prominente singen unter aufwändigen Kostümen ein Cover und die TV-Zuschauer dürfen raten, wer sich dahinter verbirgt. Unterstützung gibt es von einer prominenten Ratejury (Ruth Moschner, Collien Ulmen-Fernandes, Max Giesinger und ein wechselnder Gastjuror). Pro Folge werden im Duell- oder Triellmodus einige Charaktere direkt in die nächste Runde gewählt, während sich die Verlierer dem Zuschauervoting stellen müssen. Der Promi mit den wenigsten Anrufen scheidet aus und wird demaskiert. Im Finale singen die letzten fünf in ebenfalls mehreren Runden um den Sieg. Der Gewinner der Show wird erst ganz zum Schluss demaskiert. Einspieler und „Live-Indizien“ (Gegenstände und Fragen von der Jury) sollen das Raten um die Identität spannend machen.

Meine Bewertung I: Die Kostüme

Ich fand die Kostüme extrem hochwertig gemacht und es gab eine gute Mischung aus Tieren (Kakadu, Oktopus, Schmetterling), Menschen (Astronaut), Tieren mit zusätzlichen menschlichen Eigenschaften (Grashüpfer im eleganten Anzug mit Gehstock, Eichhörnchen im Superman-Kostüm, Kudu in Rüstung, Panther mit Umhang) und anderen „Wesen“ (ein pinkes Monster, ein Engel). Für mich DER Hauptreiz der Sendung! Oder um es mit Moderator Matthias Opdenhövel zu sagen: „Deswegen bin ich zum Fernsehen gekommen: Um einen Grashüpfer im Anzug anzumoderieren, der „Just A Gigolo“ singt. Jawoll. Das macht Spaß.“

Meine Bewertung II: Die Songauswahl

Im Mittelpunkt von TMS stand das Entertainment und das Raten. Es wurde nicht immer die objektiv „schlechteste“ Leistung demaskiert (hallo, niedliches Monsterchen) und man kann von Schauspielern keinen Gesang wie ein Profi erwarten. Trotzdem ist es auch eine Musikshow. Also ein kurzer Blick auf die Songs: Während der Kudu überwiegend rappte und der Engel sich als (wirklich wahr) Heavy-Metal-Fan herausstellte, zeigte der Astronaut eine beindruckende Balladenpräsenz. Der Grashüpfer war wohl der vielseitigste Sänger: von „Skyfall“ und „Shallow“ über „Believer“ bis hin zu „Just A Gigolo“. Insofern Daumen hoch für die Paarung aus „nieschigen“ und „aktuellen“ Titeln.

Meine Bewertung III: Der Modus

Man hätte selbstverständlich alle 10 Promis nacheinander singen lassen können und dann wählt das Publikum den schwächsten (oder in ihren Augen „langweiligsten“, Stichwort Gesamtpaket) Teilnehmer aus der Show. Das kennt man ja aber schon von genug anderen Formaten. Die Idee, Duelle oder Trielle zu bestimmen, macht das Ganze abwechslungsreicher und spannender. Aber: es schafft gewissermaßen eine Vorauswahl. Wenn Astronaut und Grashüpfer technisch die beiden besten Sänger sind und die Verantwortlichen dann im vorletzten Duellmodus den Astronauten mit dem Engel paaren und den Grashüpfer mit dem Monster, wird automatisch dafür gesorgt, dass die beiden im Superfinale stehen. Hätte man Astronaut gegen Grashüpfer und Engel gegen Monster antreten lassen, wäre es vermutlich eindeutig für den Astronauten und etwas knapper für den Engel ausgegangen, und der Grashüpfer wäre auf Platz 3/4 gewesen. Die Vorauswahl schaffte also durchaus auch beeinflussende Fakten.

Meine Bewertung IV: Das Raten

Ziel der Show war es, die maskierten ProminentInnen zu enttarnen. Dazu gab es 4 Wege.

1) die Singstimme selber. Bei Sängern kann das möglich sein (Fans erkannten Max Mutzke oder Gil Ofarim an ihrer Art zu singen), bei sehr markanten Stimmen erst recht (Lucy Diakovska), aber Sportler oder Schauspieler nur anhand des Gesanges zu erraten? Wenn man diese noch nie hat singen hören? Eher unwahrscheinlich.

2) ein Indizien-Einspieler vor jedem Auftritt in Runde 1 der jeweiligen Show. Da sah man die Kostüme in Szenen, die etwas mit dem Charakter zu tun hatten (z.B. das Weltall beim Astronauten), aber auch in ganz anderen Situationen mit „random“ Gegenständen als Hinweisen (z.B. duscht der Astronaut). Dazu noch ein Monolog des Charakters und ab Folge 2 auch Rückblenden auf vergangene Shows. Das war abwechslungsreich und schön. Die Hinweise selber aber in ihrer Kombination manchmal zu offensichtlich (2004 = Teilnahme Mutzkes am ESC, Kuckucksuhr = Herkunftsort Schwarzwald) und manchmal viel zu verkopft (Betonung des Meeres mit Hinweis auf die NoAngels als „erfolgreichste Band Kontinentaleuropas“).

3) das „Live-Indiz“, ein zusätzlicher Gegenstand für die Promis, die ab einem gewissen Voranschreiten der Show in Runde 2 nochmal singen mussten. Da wurde dann wie im Finale Handpuppen, Reclam-Ausgaben von „Mutter Courage“, Plastik-Kakerlaken und allerhand Krimskrams gezeigt, für den Collien Ulmen-Fernandes regelmäßig ein Fernglas brauchte, um es vom Jurypult aus zu sehen (eines der lustigsten Highlights für mich). Es war schön, als Abwechslung zu Bild und Ton noch einmal etwas live im Studio zu haben, diente aber auch dem „In-die-Länge-ziehen“ der Sendung.

4) Fragen der Jury und Antworten der Promis (mit Stimmverzerrer!). Nette Interaktion und meistens sehr kryptisch (Gil „Grashüpfer“: „Ich darf viele Auszeichnungen mein Eigen nennen“. Max Giesinger spekulierte auf Platzenverkäufe von Lou Bega, Ruth eher auf sportliche Verdienste; es hätten auch Bambis oder Goldene Kameras sein können.).

Fazit: Eine unglaublich kreative Mischung an Indizien, aber manchmal leider zu einfach. Allerdings muss man eines bedenken: in Zeiten von social media gibt es immer einen, der beispielsweise als Gil-Ofarim-Fan die Stimme (wie oben erwähnt) sofort zuordnen kann und es auf YouTube unter den Auftritt oder auf Facebook, Twitter, Ruth Moschners Instagram schreibt, sodass die Namen dann doch zügig in Umlauf kommen. Von alleine wäre ich nie auf Gil Ofarim gekommen, einfach weil ich ihn persönlich nicht als Sänger, sondern nur als „It Takes 2“-Mentor und „Let’s Dance“-Gewinner kenne.

Meine Bewertung V: Die Jury

Max Mutzke nach seiner Enttarnung zum Panel: „Ich hab nich so ganz verstanden, warum ihr da seid.“ Gute Frage. Nun, ich persönlich habe nichts gegen die Idee, bekannte Gesichter (und man muss Pro7 zugutehalten: Max Giesinger als aktuell erfolgreichen deutschsprachigen Sänger für die Jury-Tätigkeit zu verpflichten, ist durchaus eine „große Nummer“ gewesen) etwas mitraten zu lassen, Smalltalk zu führen und lustig zu sein. Dazu die Mischung aus 3 Stammjuroren und einem im Wechsel macht Sinn. Ruths und Colliens Enthusiasmus war auch wirklich herrlich (andere werden es nervig finden)! Collien etwa sinngemäß: „Komm Ruth, wir wühlen die Mülltonne vom Aminati durch“. Absolutes Highlight natürlich: Ruth Moschner hat gefühlt jeden Promi Deutschlands in ihren WhatsApp-Kontakten, fragt Bülent „Engel“ Ceylan jede Woche aus, schreibt Fernsehkoch Nelson Müller angeblich während der Show eine Nachricht (Verdacht auf Astronaut) und stellt dann fest: Noch keine blauen Haken! Vielleicht hat er es nicht gelesen, weil er sich hinter der Bühne auf seinen Auftritt vorbereitet? Sensationelle Szenen, wirklich!

Meine Bewertung VI: Die Promis

Wer war denn nun im Detail unter der Maske?

Oktopus – Lucy Diakovska (7)
Schmetterling – Susan Sideropulous (R)
Kakadu – Heinz Hoenig
Eichhörnchen – Markus Schenkenberg
Panther – Stefanie Hertel
Kudu – Daniel Aminati (7)
Monster – Susi Kentikian (7)
Engel – Bülent Ceylan (1 und R)
Grashüpfer – Gil Ofarim (1 und R)
Astronaut – Max Mutzke (7)

Sofortige Kritik in den sozialen Medien: typische Sender- oder Reality-TV-Gesichter! Naja. Ich habe mal hinter alle Prominente, die man als Teilnehmer an anderen Pro7-Shows kennt oder die direkt für Pro7 arbeiten, ein „7“ gesetzt. Das sind also drei plus Susi Kentikian, die 2007 (!) einmal (!) an einer „Wok-WM“ teilgenommen und mit Stefan Raab für seinen „Showkampf“ gegen Regina Halmich trainiert hat. Wie gesagt, naja… Aus anderen Formaten von Sat 1 (in der Liste als „1“ gekennzeichnet) kennt man Gil und Bülent, wobei Bülent als Comedian ebensolche Sendungen für den Sender gemacht hat und daher auch nicht wild durch alle „Reality-TV“-Formate tingelte. Das „R“ steht für RTL und dass Susan Sideropoulus als Schauspielerin dort lange Jahre für „GZSZ“ bekannt war, ist auch nicht dem „Reality-TV“ zuzuordnen. Insofern lassen sich zwar durchaus Überschneidungen erkennen, aber man hat alleine mit Schlagersängerin Stefanie Hertel, Comedian Bülent Ceylan und den Sängern Mutzke und Ofarim schon vier Promis gefunden, die „einigermaßen“ bekannt sind und nicht ausschließlich durch sogenanntes „Trash-TV“ aufgefallen sind. Und was wären denn die gewünschten „A-Promis“? Günther Jauch, Till Schweiger und Jörg Pilawa? Alles Ansichtssache…

Mein Fazit

„The Masked Singer“ überzeugte aus meiner Sicht mit dem völlig neuen Konzept des Singens von „Charakteren“, die aufwändig gestaltet waren und einem ans Herz wuchsen. Das Showformat war als solches mit kleinen Abzügen sehr gelungen und wirkte professionell produziert. Die Zusammenstellung der Prominenten war durchaus solide (alleine schon für die erste Staffel einer in der Wahrnehmung „völlig neuen“ Show – wer hat schon hierzulande die Südkorea- oder USA-Version angeguckt? Da muss man erstmal angebliche „Top-Prominente“ – nochmal: wie bestimmt man so eine Einordnung? – finden, die sich auf so etwas einlassen). Die Jury machte Spaß, Matthias Opdenhövel mag ich als Moderator schon seit „Schlag den Raab“.

Verbesserungsvorschläge für die zweite Staffel: besseres Gleichgewicht der Hinweise bitte, leicht kürzere Gespräche und Sendungen allgemein und einen mindestens ebenso soliden Prominentenpool.

Und das Wichtigste zum Weiterführen: neue, hochwertige Charaktere. Einen Pfau zum Beispiel (der ist wunderschön in der US-Ausgabe!) oder von mir aus auch eine singende Teekanne. Dann kann „The Masked Singer“ auch 2020 wieder ein Erfolg werden!

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Von ESCFan2009

26 y/o * Eurovision Song Contest * Popmusik * Filme * Serien

Eine Antwort auf „Showreviews (1): „The Masked Singer“ Staffel 1“

Schön, dass wieder Artikel kommen ^^

Für die nächste Staffel Masked Singer schlage ich vor, dass professionelle Sänger nur noch antreten dürfen, wenn sie Stilbruch begehen – Wie zum Beispiel Stefanie Hertel diese Staffel, denn erstens kann man sie sonst zu leicht erkennen und sie haben es ansonsten zu leicht, weit zu kommen. Max Mutzke hätte mit einer Up-Tempo-Nummer wahrscheinlich nicht so abgeräumt…

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